Die Ersten, die es gleich nach der Öffnung in den Prater zog, waren Gasthaus- und Kaffeehausbesitzer:innen. Bald folgten ihnen Zirkusleute, Artist:innen und Schausteller:innen, die sich in der Regel nur zeitweise im Prater aufhielten und mit ihren Künsten und Attraktionen oft durch ganz Europa zogen. Ihre Stellung und ihr Image in der Gesellschaft waren ambivalent. Sie sorgten für Abwechslung und Vergnügen, brachten Neuigkeiten aus aller Welt, waren aber Obrigkeit und Kirche oft verdächtig. Mit dem Aufkommen der modernen Vergnügungsparks im späten 19. Jahrhundert rückten technische Attraktionen in die erste Reihe, das Artistische, Circensische und Künstlerische trat in den Hintergrund.

Die NS-Zeit hinterließ im Prater tiefe Spuren. Jüdische Unternehmer:innen wurden beraubt, vertrieben und ermordet. Zu den Profiteur:innen zählten auch Geschäftsleute aus dem Prater. In den letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs fiel ein Großteil des Wurstelpraters einem Brand zum Opfer.

Heute sind viele Betriebe im Besitz weniger Familien, die oft seit Generationen im Prater ansässig sind. Sie selbst sprechen von „Praterdynastien“ und nennen sich „Praterkinder“.

 

Raumbeschreibung

Die folgenden Erklärungen richten sich vor allem an blinde und sehbeeinträchtigte Menschen. 

Drehen Sie sich mit dem Rücken zum QR-Code. Dieser Themenbereich erstreckt sich über einen circa 10 Quadratmeter großen Raum links von Ihnen.  An den drei Ausstellungswänden werden viele Porträts der Prater-Unternehmer präsentiert. Eingebaut in die Wand schräg links vor Ihnen ist eine Sitzbank. Im Raum stehen Hocker frei verteilt. 

Auf kniehohen, nicht barrierefreien bedienbaren Medienstationen sind folgende Filme abzurufen:
- Der Prater 1766–2024
- Heribert Corn: Arbeiten im Prater, 2023
- Silvia Lang, Praterunternehmerin, über ihren Ur-Ur-Großvater Nikolai Kobelkoff, der ohne Arme und Beine geboren wurde und eine Schaustellerdynastie im Prater begründete, 2024
- Ausrufer im Wurstelprater
- Laura Anderson Barbata, transdisziplinäre Künstlerin aus Mexiko über Julia Pastrana, 2024
- Sarah Knoll, Zeithistorikerin über die Verfolgung, Beraubung und Ermordung jüdischer Praterunternehmer:innen während der NS-Zeit (1938–1945), 2024

Von hier aus führt der Rundgang noch auf den Balkon mit Blick auf die Straße des Ersten Mai. Danach können Sie direkt den Lift in das Erdgeschoss nehmen oder zurück zu den Treppen gehen.

Gehen Sie zurück entlang der halbrunden Wand. Nach 2 Metern erreichen Sie die Tür mit einem großen vertikalen Griff. Achtung, die Tür öffnet auch in den Raum hinein. Sie führt in den Windfang. Links im Windfang ist der Lift und eine raumhohe Stange als Türstopper. Rufknopf links. Leicht rechts geht es zur Tür zum Balkon. Rechts steht ein lebensgroßes Ausstellungsobjekt: der „Starke Mann“ aus den 1980er oder 1990er Jahren. Der Mann aus Kunststoff hat eine Bodybuilderfigur und war Teil eines Kraftmessers. Die Praterbesucher konnten sich mit der Figur im Seilziehen messen.

Wenn Sie nicht den Lift nehmen, kehren Sie aus dem Windfang in den Ausstellungsraum zurück. Von dort aus gehen Sie 5 Meter geradeaus und leicht rechts, um die Treppe nach unten zu erreichen. Zweite Treppe nach der ersten rechts herum.